
Bootstreffen 2010 Nr. 1
"De Biesbosch" hieß das Ziel in diesem Jahr.
Eine kleine Geschichte zum Zielgebiet :
Ca. 9000 Hektar Land und Wasser umfasst dieses Naturschutzgebiet, welches durch zwei
Provinzen unterteilt ist : Noord-Brabant und Zuid-Holland.
Das gesammte Gebiet diente bis 1970 als Hochwasser-Auffangbecken, da es bis zu diesem Zeitpunkt
eine direkte Verbindung zur Nordsee hatte.1970 wurde die Haringvliet-Schleuse gebaut, die dem
Tidenhub und den daraus resultierenden Hochwassern ein Ende setzte.
Flora und Faune konnten sich ab diesem Zeitpunkt auf reguläre Verhältnisse einstellen.

Aus anglerischer Sicht eine große Herausforderung.
Die Chance, richtig gute Räuber zu fangen ist da- vorausgesetzt, man weiß wo.
Der Haken an diesem Gebiet war, daß die Raubfische sehr konzentriert und auf engstem Raum standen.
Im gesammten Flussbereich finden sich Schilfgürtel, Seerosenfelder
Krautbänke, überhängende Bäume, Kehrströmungen, etc.Die Wasserqualität reicht von kakaobraun bis
glasklar.Wassertiefen zwischen 10 cm und 10 m findet man im weitläufigen Bereich.
Zur Wassertiefe :
Wer dieses Gebiet zum ersten mal befährt, sollte sich unbedingt eine Wasserkarte mit eingetragenen
Wassertiefen besorgen ! Der Hauptstrom ist kein Problem.Die vielen, reizvollen Nebenarme
können durch die z.T.
geringen Wassertiefen schnell zur ungewollten Sackgasse führen.
Zudem kann man sich, als Orientierungschaot wie ich, leicht verfahren...
Klasse, was sich teilweise unter der Wasseroberfläche abbildet.

Sobald man das Gebiet erreicht, wird man von den geglaubten Hotspots überrant.
Riesige Seerosenfelder und Schilfgürtel an allen Ecken und Kanten.
Hier kann man lange Zeit im Trüben fischen.
Zum Glück waren vor dem eigentlichen Treffen die "Spot-Sucher" mit ihren Suchnasen vor Ort.
Und das verdammt erfolgreich.
Am ersten Tag hieß es:" Der erste Meter ist im Kasten". 105 cm.Dazu einige 90 `er und abwärts.
Am zweiten Tag...113 cm usw....



Scheiß Handy, dachte ich...die falschen Voraussetzungen.Die folgenden, schlaflosen Nächte möchte
ich nicht erwähnen.
Donnerstag war es für mich und Marcel soweit.Wir trafen uns mit Shaddy und Chrima, um im Konvoi das Treffen zu erreichen.
Durch die Nachrichten über die Metermuttis kribbelte es auf der gesammten Strecke böse in der
Magengrube.:"Heiß wie Frittenfett" waren wir.
Die gesammte Anlage- Campingplatz, war zwar recht einfach, dafür sauber
und vor allem sehr unbürokratisch.Für den hiesigen Komplex waren zwei Wege nötig.Die Anmeldung am
Campingplatz und die nette, pfiffige Hafenmeisterin, um einen Parkplatz für die Boote zu bekommen.
Tight Lines !
Wie schon erwähnt, war ich mit Marcel, Shaddy und Chrima am Donnerstag vor Ort.
Nach kurzem Einchecken ließen wir die Boote zu Wasser.Ca.1000 m. Strecke war nötig, um vom Hafen über die Amer
ins Land der Hechte zu kommen.Dat war aber nix.Strecke machen
hieß die Devise, und dafür war es leider schon zu spät.
So begnügten wir uns an der Steinpackung der Amer.Shaddy und Chrima konnten einen Vertikalzander landen.

Ich und Marcel beschlossen zu schleppen...absolut nicht mein Ding, aber egal, ran an den Fisch.
Es kam wie´s kommen musste.Bill Dancer, alias Perch, in
Aktion.Es dämmerte schon, als sich durch hustende und unrund
laufende Geräusche am kleinen Viertakter, das Unvermeidbare :"ich hab kein Benzin mehr" ankündigte.
Im Tran hab ich die Benzinzufuhr- dafür gibt es ein kleines, aber wertvolles Hebelchen, auf "OFF" gestellt.
Nachtanken, kurz ziehen...und nüscht.Dieses Spiel hat mich nicht nur Nerven, sondern schmerzende Blasen gekostet.
Eine halbe Stunde reißen, fluchen und Schweiß gingen
vorüber, bis dieses verdammte, wertvolle Hebelchen in mein
Gedächdniss stoss...FU..K !!! -kurz umgelegt, einmal ziehen..rätätää.Da lief das Ding wieder.
An diesem Abend schlossen wir nach guter, alter Schneidermanir das Angeln ab.Frisch für den nächsten Tag.
Krauthi, Cusack und Stizostedion leiteten uns am Freitag zum "Meter-Spot"...Geil...7.00, 9.00, 11.00 Uhr...
etliche Würfe, Schleppeinlagen, etc...NIX.Der Wetterumschwung ist
Schuld... Dazu ein, für den E-Motor unverträglicher
Wind- Frustfaktor auf dem Hochstand.
Klasse Gebiet, klasse Fische, was machen wir falsch ?
Unser Pavillon hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon auf ein kleines Stoff und Alu-Gebilde reduziert.
Der Wind war abartig.
Cusack brachte uns zu einer kleinen Steinpackung, die wir mit Jerks, Spinnerbaits und Softjerks beackerten.
Nachläufer und Fehlattacken brachten das Adrenalin kurzfristig auf Hochtouren.Cusack konnte mit einem
Schniepel punkten.Eine kleine Insel im Flussverlauf war unser nächstes Ziel.

Ein Zweitakt-Geräusch näherte sich :" Tach Vlado", der nur wenige Meter neben uns
seinen Jerk ins Wasser brachte.Drei Würfe und seine Rute war krumm...Ein 50 ´er Pike.

Kevin, Looser, Fishcatcher und Jaws erweiterten die kleine, aber gesellige Runde schon am Vormittag.


Für mich und Marcel hieß es wieder Schneider, und das nach gut 11 Stunden Hardcorewerfing.
Jetzt half nur noch das warme "Weizen".
Samstag Morgen war ein neuer Tag.

Recht früh ging´s los.Die ersten Schleppeinlagen waren ernüchternd, bis erste Kontakte die Hoffnung
steigen ließ.Zander und Hecht, es lief wieder.Krauthi, Cusack und Stizostedion hatten die ersten Fische im Boot.

Ein 90 ´er als Aussteiger, hieß es wiedermal von der BlackPearl.
Einige Boote schleppten, andere ließen sich, wie unsereiner (Stinkerbesatzung), am Ufer entlang driften,
um die heißen Schilf- und Seerosenfelder aktiv zu beackern.
Alle Methoden trugen Früchte, wobei die Hechte recht wählerich waren.
Selbst der Unterschied zwischen schwimmenden und sinkenden Jerks, bei gleicher Färbung, war
spürbar.Dann kam die passende Farbe ins Spiel.Ich sach nur "Perch" und alles, was sich
im naturfarbenen, braun, grün oder silberfarbenen Bereichen bewegte, brachte Fisch.
Andere Farben und Modelle fingen zwar, waren aber nicht so erfolgreich wie die oben genannten.
Vielleicht lag es aber auch daran, daß diese Farben besonders intensiv genutzt wurden.
Versuch macht kluch.




Irgendwann war der Knoten geplatzt.Unser Jungstar "Kevin" konnte punkten.- Kein Riese, aber Fisch, was zu diesem
Zeitpunkt schon Klasse war.Ich muss das einfach mal erwähnen.Kevin hat vor 2 Monaten seinen ersten Hecht gefangen.
94 cm, und vor ein paar Tagen seinen ersten Meter "gepoppt".

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer was an diesem Samstag gefangen hat.
Erzähl daher aus meiner Sicht weiter.
Wir drifteten eine Stelle ab, an der ich am Freitag einen Aussteiger hatte.Marcel fragte:" Wie tief ist es hier ?"
Sein Spinnerbait hatte Aussetzter...:" 3-4 Meter war meine Antwort", als im gleichen Moment die Antwort kam:"
hab Biss..." Fisch !!!Rute krumm.Endlich.72 cm waren im Boot, und damit war "Stinker" entschneidert.
Zumindest was die Räuber angeht.Den schleimigen Klodeckel vom Freitag hatten wir schnell vergessen...

Weiter ließen wir uns über die vorherig, ertragreichen Krautfelder driften, bis es auch in meiner Rute
den ersehnten Ruck gab.
90+ war das Resultat, den wir nach seiner ersten Flucht auf einen Metrigen geschätzt hatten.

Selbst die Halbstarken machten richtig Dampf und lagen alle gut im Futter.
Ab 70 cm aufwärts kamen die Bisse wie Starkstromschläge.Brachial und durchdringend.
Der nächste Spot brachte einen 76´er.

Wenn man genauer auf die rechte Hand schaut, erkennt man die Blutstropfen...
Gut, wenn der Landehandschuh im Boot ist.Blöd, wenn er nicht benutzt wird.
Eine riesen Sauerei in Form von roten Tupfen verteilte sich im Boot.Sche...ß der Hund drauf.
Wer Hechte fangen will, muß mit blutigen Fingern rechnen.
Marcel war jetzt wieder an der Reihe.Kurz vor dem Boot schnappte sich ein 80+ Pike den Jawallon.
Leider nur halbherzig- Marcel hob den schwanzlosen, sauber geteilten Swimbait aus dem Wasser.
Das Witzige an der Sache, ca. 5 min. später tauchte das fehlende Schwanzende an der Oberfläche
auf.Eine Aufgabe für "Dr.Mendit".Abends haben wir den Gummischlappen wieder geflickt.
Auf diese Gummis gibt´s zwar reichlich Fehlbisse, sind aber nicht nur für Meister Esox und die bestachelten
Gesellen ein prima Köder.
Würde es einen Preis für besonders hässliche Fische
geben, stünde der gefangene Aland ganz weit oben auf der Liste.

Barsche und Rapfen wurden ebenfalls gefangen.

Zum Thema Barsch: es scheint so, als würden nicht nur gute Hechte, sondern auch gute Barsche dort
wohnen.Beim schleppen konnte ich einen richtig guten Barsch haken.Der hätte mit geschätzten ü-50 meinen
PB locker geknackt und meinen Traum vom 50`er erreicht.
Wir befuhren das rechte Flussufer.Ein "netter, älterer Herr" (die realistische Bezeichnung würde unter das
Jugendschutz-Gesetz fallen) hielt geradewegs mit seinem Boot auf uns
zu, ohne auch nur die leiseste Absicht einer Kursänderung
anzudeuten.Musste den Fisch daher etwas schneller zum Boot ziehen- ausgeschlitzt...
Das Gesellige kam wie immer nicht zu kurz.
Wir trafen uns spontan zum "Schilf-Kaffee".
Ab in die Büsche, klönen, Kaffee trinken, und weiter auf Pikejagd.


Was auf dem Wasser angefangen wurde, vollendeten wir am Abend mit den Erlebnissen des Tages.

Einige Jungs mussten leider am Samstag aus terminlichen Gründen wieder abreisen, andere kamen erst,
trotz der weiten Strecke, am Samstag an.

Sonntag sollte es kurzfristig werden.
Zu den guten Hecht-Spots würde es mindestens eine halbe Stunde Fahrtzeit heißen, "MINDESTENS".
Hab ich noch garnicht erwähnt- die Jungs mit den gelben Westen und den blauen Lampen am Boot
lauern im gesammten Gebiet.

Gemütliche, vorgeschriebene Fahrweise und gültige Papiere sollten geldsparende Voraussetzung sein.
So ist Recht !
Wir begnügten uns wieder mit der Amer.Keine 5 Minuten vom Hafen entfernt.
Hafeneinfahrten, Anleger, Flusskreutzungen und Warmwassereinläufe...alles was das Anglerherz
begehrt.Der Warmwassereinlauf, mit ca. 2-3 Grad wärmerem Wasser, war ausgesprochen erfolgreich.
Schleppen...wie gesagt, eigentlich nicht mein Ding.Die erste Querung ... Doppeldrill.Marcel mit Zander, ich mit Rapfen.
Deutliche Bodenstruktur zeigte sich im Echo, dazu harte
Strömungskanten.Perfekt.Jede (!) Drift bracht Fisch oder zumindest
Bisse und Aussteiger.

Eigentlich will man´s nicht glauben.Nach ca. 90 Min. gab´s
einen Spruch.Aufhören, wenn´s am schönsten ist.
Ziemlich befriedigt fuhren wir zum Hafen, um das Boot auf den Trailer zu bringen.In 90 Minuten
gab´s mehr Fisch, als an den drei (intensiven) Tagen zuvor.Dazu muss man sagen- 3 Tage = Klasse-
1 Tag= Masse.
Alle Fische wurden releast.
Ich weiß, daß es Stimmen gibt die anderes behaupten.
Dazu muß und sollte man einfach mal an einem PikePoint-Treffen teilnehmen, um "Gehörtes" realitätsnah
auf seine Sehnerven zu übertragen und sich ein eigenes Bild zu schaffen.



Weitere Schmankerl pack ich mal ans Anhang ran:
"The Pussy Dolls Camp"...einfach (g)ros(s)a(rtig)...;-)






















Der Rest vom Fishing-Fest.

Alle Boote sind entschneidert in den Hafen gekommen und damit war das Ziel erreicht.
Mein Fazit :
"De Biesbosch" ist ein zweischneidiges Schwert mit riesigem Potential.
Sicher nicht einfach- aber wer suchet, der findet.
Klasse Gebiet !
Mir hat´s Spaß gemacht.
Der gesammten Truppe möchte ich ein dickes Danke für die Geselligkeit und Mitarbeit aussprechen.
Unser Butterfahrtorganisator hat sich wiedermal ein gelungenes Plätzchen ausgesucht,
an dem wir unsere Sucht mehr als befriedigend teilen konnten.
In diesem Sinne:
Perch